Samstag, 22. Juli 2017
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Peter Dreier wird neuer Landrat


Bericht aus der Landshuter Zeitung - von Horst Müller:

FW-Kandidat gewinnt im ersten Wahlgang mit 52,14 Prozent - Sporer (CSU) abgeschlagen

Die Sensation ist perfekt: Peter Dreier (FW) hat bereits im ersten Durchgang die Landratswahl gewonnen und damit der CSU im Landkreis Landshut eine empfindliche Niederlage beschert. Mit dem 47-jährigen Bürgermeistersprecher und amtierenden Rathauschef von Hohenthann wird erstmals ein Kommunalpolitiker der Freien Wähler den Chefsessel im Landshuter Landratsamt einnehmen, das 42 Jahre lang eine Domäne der Christsozialen war. Mit 52,14 Prozent erzielte Dreier nicht nur die absolute Mehrheit, sondern deklassierte auch CSU-Kandidat Daniel Sporer, der sich mit 33.87 Prozent zufrieden geben musste. Keine Rolle spielten die übrigen viel Landratskandidaten, die zusammen nur rund 15 Prozent der Stimmen auf sich vereinten. Die Wahlbeteiligung lag bei 60,91 Prozent und damit fünf Prozent unter dem Ergebnis vom Jahr 2008.

 "Ich bin immer von einer Stichwahl ausgegangen. Dass ich es bereits beim ersten Mal schaffe, habe ich nicht erwartet. Ich bin jetzt natürlich überglücklich, erleichtert und total stolz", sagte Dreier gestern nach dem nervenzehrenden Auszählungsmarathon im Großen Sitzungssaal des Landratsamts. Erst drei Stunden nach Schließung der Wahllokale stand am Sonntagabend das Ergebnis fest, nachdem einige kleindere Gemeinden Probleme mit der Datenübermittlung hatten. Die letzten Landratswahlergebnisse wurden erst gegen 21 Uhr aus der Verwaltungsgemeinde Furth gemeldet. 
Dabei hatte sich bereits gegen 19.40 Uhr abgezeichnet, wie die Wahl ausgehen werden wird. Eine Stunde zuvor hatte es allerdings noch nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Peter Dreier und Daniel Sporer ausgesehen. Nach den ersten zehn von insgesamt 271 Wahllokalen lag Peter Dreier um 18.44 Uhr zwar bereits mit 45,13 Prozent in Führung, doch der Wörther Bürgermeister war seinem Hohenthanner Amtskollegen mit 39,96 Prozent noch ziemlich dicht auf den Fersen.
Gegen 19 Uhr lagen die beiden Kontrahenten mit 41,91 Prozent (Sporer) und 45,23 Prozent (Dreier) sogar fast gleichauf. 
Danach klaffte die Schere allerdings zusehens auseinander:
Dreier baute seine Vorsprung aus, Sporer fiel unter die 40-Prozent-Marke zurück. Als dann 115 Wahllokale ausgezählt waren, standen für den Vizelandrat der CSU nur noch 30, 96 Prozent zu Buche, während Peter Dreier mit 52,51 Prozent erstmals die absolute Mehrheit geknackt hatte, die ihm dann im weiteren Verlauf des Abends nicht mehr zu nehmen war. 
Am Ende hatten 37.884 Wählerinnen und Wähler ihr Kreuz beim FW-Kandidaten gemach und ihm so mit 52,14 Prozent zum Sieg veholfen. Daniel Sporer (CSU) kam nur auf 24.606 Stimmen, so dass er mit 33,87 Prozent mehr als 18 Prozent Rückstand auf Dreier hatte. Die restlichen vier Kandidaten hatten keinen Einfluss auf den Ausgang der Landratswahl, die Kandidaten von ÖDP und FDP, Lorenz Heilmeier und Markus Sponbrucker, waren erst gar nicht im Landratsamt erschienen. Am besten zog sich noch SPD-Vizelandrätin Christel Engelhard (SPD) mit 6,53 Prozent oder 4.742 Stimmen aus der Affäre, doch auch sie musste im Vergleich zu 2008, als sie schon einmal angetreten war, rund 2,5 Prozent einbüßen.
Petra Seifert (Grüne) landete bei 3,74 Prozent  (2.715 Stimmen). Platz fünf ging an Lorenz Heilmeier (ÖDP) mit 2,39 Prozent (1.736 Stimmen), mit dem letzten Platz musste sich FDP-Kreisvorsitzender Markus Sponbrucker begnügen, der nur 1,34 Prozent oder 971 Stimmen aus sich vereinen konnte. 

Peter Dreier war sichtlich überwältigt, dass er bei insgesamt sechs Kandidaten schon im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit gewonnen hat. Er dankte nicht nur den Wählerinnen und Wählern, die ihm das Vertrauen geschenkt haben, sondern auch allen Freunden und Unterstützern, die ihn während der letzten Wochen und Monate begleitet hatten und ganz besonders seiner Frau und seinen Kindern, die er nach seinem Sieg fest und lang umarmte, ehe er sich in Richtung Hohenthann auf den Weg machte, um seinen Wahlsieg mit seiner Familie, Parteifreunden und Weggefährten zu feiern. 

"Das war eine tolle Zeit", resümierte Dreier mit Blick auf die mehr als 130 Veranstaltungen, die er während des Wahlkampfs kreuz und quer durch den Landkreis  abgehalten hatte. "Ich war das ganze Jahr intensiv unterwegs, um mich bei den Bürgerinnen und Bürgern vorzustellen." Er ist davon überzeugt, dass dies mitentscheidend für den Ausgang der Wahl gewesen sie. Die Themen waren seiner Meinung nach nicht ausschlaggebend. Dass er es als Freier Wähler dennoch schon im ersten Anlauf schaffen würde, hatte er jedoch nicht zuletzt aufgrund der satten CSU-Mehrheiten bei den Landtags- und Bundestagswahlen nicht für möglich gehalten. 
Als neuer Landrat warte jetzt eine große und wunderbare Aufgabe auf ihn, "aber deshalb habe ich mich auch darum beworben". Dreier: "Wir haben einen tollen Landkreis mit hervorragenden Voraussetzungen. Ich freue mich darauf, diesen Landkreis in die Zukunft führen zu dürfen." Zu den großn Herausforderungen, die er gleich nach seinem Amtsantritt in Angriff nehmen wolle, zählen die medizinische Versorgung, der verkehrstechnische Bereich und die Energiewende. Auch die Themen Landwirtschaft und Grundwasserschutz wolle er sich weiterhin engagiert annehmen, wobei er hier als Landrat mehr Möglichkeiten hätte. 
Landrat Josef Eppeneder (CSU) war wie sein designierter Nachfolger von einer Stichwahl ausgegangen. "Es waren zwei starke Kandidaten." Aber der Landkreis Landshut sei auch eine Hochburg der Freien Wähler, die mit Peter Dreier einen hervorragenden Kandidaten ins Rennen geschickt haben, der sich als Bürgermeister, stellvertretender Landrat und auch Bürgermeistersprecher das nötige Wissen angeeignet und das Vertrauen der Bevölkerung gewonnen habe. Peter Dreier kennt die Schwerpunkte und die großen Themen, die den Landkreis geprägt haben und die in Zukunft zu bewältigen sind. "Peter Dreier hat einen riesigen Erfolg erzielt. Mit ihm wird der Landkreis weiter in guten Händen bleiben." Eppeneder könne seinem Nachfolger einen in allen Bereichen geordneten Landkreis übergeben, der sich mit Peter Dreier an der Spitze weiterhin positiv entwickeln werde. 
Daniel Sporer hatte Dreier noch vor Bekanntgabe des vorläufigen Endergebnisses gratuliert. Er dankte ihm für den fairen Wahlkampf und wünschte ihm alles Gute. Er habe "keine Ahnung", welche Gründe letztlich ausschlaggebend für seine wider Erwarten deutliche Niederlage gewesen seien. Die Landratswahl ist eine Persönlichkeitswahl, und die Wähler haben sich nun einmal so entschieden."