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Experte: Osttangentein Landshut würde B15neu nicht blockieren


Bericht aus dem Landshuter Wochenblatt vom 30.10.2014: Mammutsitzung von Kreistag, Marktgemeinderat und Stadtrat

Die Botschaft des Abends war eindeutig: Eine Osttangente für Landshut würde die B15neu von Essenbach aus in Richtung Süden nicht verhindern. Im Gegenteil: Beide Projekte würden sich ergänzen. Das erklärte am Donnerstag auf der gemeinsamen Sitzung von Marktgemeinderat Ergolding, Kreistag und Landshuter Stadtrat der stellvertretende Leiter des staatlichen Bauamtes Landshut, Manfred Dreier.

Die Mammutsitzung war auf Initiative von Landrat Peter Dreier und Oberbürgermeister Hans Rampf anbereumt  worden. Beide sehen dringenden Handlungsbedarf, weil der Landshuter Osten im Verkehr zu ersticken droht. "Es geht hier um Sach- und nicht um Parteipolitik", so der Landrat. Und auch Oberbürgermeister Hans Rampf forderte dazu auf, die "Parteibrille" abzusetzen. Zwar war in der Vergangenheit eine Osttangente über Ergoldinger Gebiet vom Marktgemeinderat einstimmig abgelehnt worden. Allerdings handelte es sich dabei um eine Trassenführung, die laut dem Leiter des Bauamtes nahezu unmöglich zu realisieren gewesen wäre. 

Fernab aller politischen Strömingen präsentierte der Namensvetter des Landrates - bei sich nicht verwandt oder verschwägert - nüchterne Fakten. "Der Verkehr auf den Bundesstraßen hat sich seit dem Bau der Brücken im Stadtgebiet verdreifacht, der Schwerverkehr hat noch wesenzlich stärker zugenommen", so Dreier. Während es im Landkreis Dingolfing-Landau zehn Isarquerungen gebe und im Landkreis Freisuing neun Brücken existieren würden, müsse Landshut mit viereinhalb Brücken (der Achdorfer Steg zählt nur als halber Übergang) zurechtkommen. Die Folge: "Das innerstädtische Verkehraufkommen an den Isarüberquerungen erreicht die Belastungsgrenze." Die Zukunftsaussichten sind auch klar: Es wird noch mehr Verkehr geben.

Ganz klar sagte Dreier, dass die B15 neu von Essenbach aus in Richtung Süden durch den Bau einer Ostumgehung von Landshut nicht gefährdet würde. "Die Osttangente hat noch mehr Entlastungswirkung als die B15 neu, weil sie stadtnäher und weniger umwegig ist." Und weiter: "Sie lindert die größte Not, aber um zukunftsfähig zu sein, braucht man beide neuen Isarquerungen."

Damit nahm er vielen Kritikern einer Ostumgehung, vor allem aus dem Lager der Ergoldnger CSU, den Wind aus den Segeln. Die hatten befürchtet, dass die Osttangente das Bundesstraßenprojekt verhindern würde. "Trotz Osttangente ist die B15 neun noch immer dringend notwendig. Sie zieht weiteren Verkehr aus dem Stadtgebiet ab", so Dreier. Laut einem Gutachten aus dem Jahr 2002 würde die Osttangente alleine eine Entlastung an den Isarübergängen von etwa 25 Prozent. Beide Projekte zusammen bräuchten eine Entlastung von 40 Prozent, Allerdings ist dieses Gutachten zwölf Jahre alt und müsste aktualisiert werden. Auch ist Dreier der Überzeugung, dass der Kasernenknoten durch eine Entlastungsstraße Ost nicht überlastet würde.

Allerdings betonte der Experte auch, dass man erst ganz am Anfang eines weiten Weges stehe. Denn einfach zu realisieren sei das Projekt nicht, es gebe viele Schwierigkeiten, die es zu lösen gelte. Aber: " Es ist auch nicht unmöglich." Frühestens in fünf Jahren könnte das Projekt Osttangente realisiert werden.

Dreier empfahl als nächse Schritte die Einholung einer naturschutzfachlichen Einschätzung, da die Osttangente mit einer Brückenlänge von etwa 300 Metern in einem sensiblen Gebiet verlaufen würde, sowie ein neues Verkehrsgutachten und eine technische Machbarkeitsstudie. Am Ende würde dann eine stabile Kostenschätzung stehen. Da es sich bei dem Projekt um eine Kreisstraße handeln werde, würden sich Stadt und Landkreis die Kosten für das aufwendige Projekt wohl teilen.

Er stellte auch eine mögliche Trasse vor. Wie bereit im Wochenblatt mehrfach berichtet, handelt es sich um eine von dem Weiler Albing abgerückte Trassenführunng, die nördlich der Ergoldinger Abfahrt in die B15 mündet.

Mehr als ein Informationsabend für die verantwortlichen Politiker war die Veranstaltung aber nicht. Jetzt liegt es an ihnen, ob weitere Schritte in Richtung Osttangente gemacht werden. Klar ist laut Dreier aber auch eines: Eine solche Umgehungsstraße ist für Stadt, Landkreis und Ergolding gleichermaßen wichtig, damit die Verkehrsprobleme in der sich stark entwickelnden Region gelöst werden können.